Das Limpurger Land sitzt an der Nahtstelle dreier Landkreise und damit auch an der Schnittstelle von drei großen Touristikgemeinschaften. In jüngster Vergangenheit kam Kritik an der neuen Touristikgemeinschaft (TG) "Hohenlohe und Schwäbisch Hall" auf. Kritiker sagen, der Schwerpunkt habe sich Richtung Hohenlohe verlagert. Das Limpurger Land werde von der TG nicht mehr ausreichend vertreten.
Wir sprachen mit Landrat Gerhard Bauer. Er ist Vorsitzender der Touristikgemeinschaft.
Kritiker sehen den Schwerpunkt der neuen TG in Hohenlohe angesiedelt. Hat die Haller Präsenz unter dem neuen Dach gelitten?
Der Name der neuen TG lautet „Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e.V.“. Ich bin Vorsitzender, unser Wirtschaftsförderer Werner Schmidt ist einer der beiden Geschäftsführer. Der Sitz der TG ist in Schwäbisch Hall. Es gibt keinen Grund an der Haller Präsenz zu zweifeln.
Der Rems-Murr-Kreis setzt auf den Limes als Weltkulturerbe. Der Limes ist auch im Haller Raum ein Begriff, wird aber noch nicht entsprechend vermarktet. Wird sich daran etwas ändern?
Nein. Es wäre völlig falsch, wenn wir dem Rems-Murr-Kreis nacheifern und uns verzetteln würden. Wir sollten uns weiterhin auf unsere eingeführten Produkte, in erster Linie auf den Kocher-Jagst-Radweg und auf unsere Kultur- und Erholungslandschaft konzentrieren.
Viel besser ist die Kooperation. Der Rems-Murr-Kreis ist Mitglied in unserer TG. Unsere Gemeinden kooperieren mit der Touristikgemeinschaft Schwäbischer Wald. In den nächsten Wochen finden Gespräche statt, wie beide Tourismusorganisationen noch besser im Marketingbereich zusammenarbeiten können. Denkbar sind zum Beispiel gegenseitige Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und Adressentausch in den Prospekten.
Gaildorf und das Limpurger Land tauchen nicht einmal mehr in Ansichtsmaterial und Karten der TG auf. Was ist passiert?
Richtig ist und dazu stehe ich, dass wir den Schwäbischen Wald aus dem früheren Namen der TG gestrichen haben. Sonst wäre der Zusammenschluss mit dem Hohenlohekreis gescheitert. Dass wir das Limpurger Land vernachlässigen stimmt nicht und würde von mir nicht akzeptiert werden. Konkreten Hinweisen gehe ich gerne nach.
Welche Gremien haben Einfluss auf die Gestaltung der Marketingarbeit der neuen Touristikgemeinschaft?
Organe der TG sind der Vorstand und die Mitgliederversammlung. Im Vorstand ist das Limpurger Land durch Bürgermeister Strack aus Oberrot vertreten.
Was kann die neue TG für Gastronomen, Hoteliers, Vereine und Verbände aus dem Limpurger Land tun?
Mir ist aufgefallen, dass das Limpurger Land im neuen Kulturkalender kaum vertreten ist. Im neuen Guck Mal! hätten wir gerne das Limpurger Land noch mehr herausgestellt. Solche Aktionen müssen aber aus dem Raum mitgetragen werden. Nicht nur die TG, auch die Kommunen, Gastronomie und die Wirtschaft müssen sich einbringen, um besondere Aufmerksamkeit zu erreichen.
Wann werden die Anlaufschwierigkeiten überwunden sein?
Das dauert noch. Bisher leben wir wie in einer „Ehe auf Probe“ zusammen mit der TG des Hohenlohekreises. Die „Hochzeit“ soll Mitte 2006 stattfinden. Es ist wirklich nicht einfach zwei Touristikgemeinschaften zusammenzuschweißen. Das Gebiet geht über fünf Landkreise, die alle gebührend berücksichtigt werden möchten. Und kosten soll´s auch so wenig wie möglich. Dann ist es schwierig, alle Wünsche zu erfüllen und alles auf einmal zu machen. Gleichzeitig nutzen wir die einmalige, aber zeitlich befristete Chance der Projektförderung im Programm Hohenlohe aktiv, zum Beispiel für die Einführung des Online-Buchungssystems. Ich bin mit dem, was bisher geleistet wurde, sehr zufrieden. Die neuen Geschäftsführer und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e.V. haben gute Arbeit geleistet.
Wie finanziert sich die Touristikgemeinschaft?
Der Landkreis Schwäbisch Hall und der Hohenlohekreis stellen mit jährlich 460.000 Euro die Grundfinanzierung sicher. Die 188 Mitglieder der TG tragen 30.000 bei. Die Nachbarkreise beteiligen sich am Kocher-Jagst-Radweg. Die Stadt Schwäbisch Hall bringt sich mit Sachleistungen ein. Die Prospekte der TG müssen im größtmöglichem Umfang mitfinanziert werden, von denjenigen, die davon profitieren. Das sind in erster Linie die Gastronomen und Hoteliers, die Städte und Gemeinden in der Region mit ihren touristischen Einrichtungen und Anbietern.
Welche Bedeutung hat für Sie das Limpurger Land als Bestandteil der TG?
Das Limpurger Land ist ein wichtiger Teilraum unseres Landkreises. Eine besondere Stärke ist die landschaftliche Identität und die in vielen Bereichen praktizierte Zusammenarbeit zwischen der Stadt Gaildorf als anerkannter Mittelpunkt und den umliegenden Gemeinden Fichtenberg, Oberrot und Sulzbach-Laufen. Ich höre immer wieder und auch in diesem Interview zieht sich wie ein roter Faden, dass das Limpurger Land zu kurz kommt. Deshalb biete ich an, dass sich unser Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer der Touristikgemeinschaft, Werner Schmidt, mit den Bürgermeistern im Limpurger Land zusammensetzt und dann ganz konkret besprochen wird, an was es denn im touristischen Bereich mangeln soll und was gemeinsam machbar ist. An der fehlenden Unterstützung von Seiten des Landkreises und der Touristikgemeinschaft soll es nicht fehlen.